FRIEDERIKE MAYRÖCKER

FLEURS

 

fleurs – die Blumen, die Blüten, sie geben diesem Buch seinen Titel, lassen an Frühling denken, an laue Lüfte und flatternde Bänder. Doch wer sich auf diese Spur locken lässt, landet nicht auf der lieblichen Blumenwiese, sondern im steinigen und steilen Gelände: »agnus dei die Füszchen zusammengebunden, 1 Büschel weiszer Blumen im Mund«. Das ist der Mayröcker-Sound, wie er ein Dichterleben lang tönt – unsentimental, glasklar, nichts anderem verpflichtet als einer Poesie, die immer nur das Eine will: Bilder von bezwingender Kraft und Anschaulichkeit und eine Sprache, so frei, kühn und unverbraucht, als wäre sie für dieses eine Buch neu erfunden. fleurs ist der letzte Teil von Friederike Mayröckers Trilogie, die mit études und cahier ihren Anfang nahm. fleurs ist Erinnerung und Bilanz, ist Protest und Beschwörung. Und hält fest, was am Ende als Einziges zählt und bleibt – das Ritual, die Lebensversicherung des Schreibens: »Einfach so hinsetzen an die Maschine am Morgen bei wölfischem Heulen, nicht wahr«.

VORGESTELLTE BÜCHER

CAHIER

 

Friederike Mayröcker hat keine Zeit. Nicht für Resümee und Erinnerung, nicht fürs ausschweifende Betrachten und Räsonieren und erst recht nicht fürs Geschichtenerzählen. Sie hat noch nicht einmal Zeit für das Leben selbst, sofern es nicht das Schreiben ist. Was zählt, sind allein die Poesie und »die echoartigen Erfindungen« eines fast schon ein Jahrhundert währenden Lebens, die in ihren Schriften aufgehoben sind. Mag dieses Leben im Äußeren den Zumutungen der Endlichkeit aller menschlichen Existenz unterworfen sein – im Inneren und in seiner Transformation in den ewigen Augenblick wird es immer nur reicher an Formen des Erlebens: »(Die Jahre werden immer unglaublicher), die blauen, Schlitze des Himmels, bin sehr ambivalent.«

Nach den études, den »Fetzchen« und Splittern, schreibt Friederike Mayröcker nun ein »cahier oder Heftchen«, wie sie es nennt; es ist gleichzeitig der zweite Band einer Trilogie. In radikal konzentrierter Sprache und bezwingend schönen Bildern führt sie darin ein Leben vor, das nur einer Maxime folgt: »nicht nur das Geschriebene auch die Existenz musz poetisch sein«.

ETUDES

 

Etüden nennt Friederike Mayröcker ihre prosaischen Gedichte und lyrischen Prosastücke, Studien also, »Fetzchen« auch, wie sie sagt, splitternd, brüchig und aufs höchste konzentriert, die Sprache zugespitzt aufs Wesentliche allein, der Entgrenzung von Raum und Zeit, der Transposition des gelebten Augenblicks in ein ewiges Hier und Jetzt. Allesamt sind es Variationen auf die Vergänglichkeit des Irdischen – ein Motiv, das längst zum beherrschenden im sich unaufhörlich radikalisierenden Alterswerk der Wiener poeta magica geworden ist. Übung für Übung wird der Skandal der Endlichkeit des Lebens einem unwiderstehlichen Verwandlungszauber unterzogen, der das beschwerlich Profane in der Losgelöstheit der Poesie zum Verschwinden bringt.

Friederike Mayröckers Etüden sind Texte in betörendem Moll, melancholisch, verletzlich, aber voll des Lebens und prall der Abwehr des Todes: »NEIN keinen Tod keine Wandlung kein Verderben kein Hinscheiden kein Abschied kein unisono«. Kompromisslos einzig dem Schreiben verpflichtet zeigt sich die große Dichterin, von unüberbietbarer sprachlicher Kühnheit ist ihre Poesie.

LANDSCHAFT MIT VERSTOSSUNG

 

Ein dreifaltiges Hörstück - Klangbuch mit 1 CD

Ausgangspunkt für Bodo Hells neues »dreifaltiges Hörstück« ist ein kleiner Text von Friederike ­Mayröcker, »Landschaft mit Verstoßung«. Ein Text, in dem die Dichterin und Doyenne der deutschsprachigen Poesie von Verlusten erzählt. Von Landschaften, die sie verstoßen, von Worten, die sich in Träumen bilden und nicht in den Zustand des Wachseins hinübergerettet werden wollen. Alle »Wortträume«, schreibt Mayröcker, »verließen mich sobald ich die Augen aufgeschlagen hatte«.

Autor und Alpenhirt Bodo Hell tritt mit Mayröcker in einen Dialog über Ausgeschlossenwerden, Sich-ausgeschlossen-Fühlen und Verlassenmüssen einer lieb vertrauten Landschaft.

Die für dieses Klangbuch spezifische Verschränkung von Mayröckers Urschrift und Hells Parallelschrift wird akustisch gehoben, gehalten, ergänzt, unterfüttert, bisweilen auch konterkariert von Elementen aus dem Naturstimmenarchiv des Tongestalters Martin Leitner, der über 10 Sommer hinweg im Gebiet des östlichen Dachsteinplateaus Naturlaute und Tiergeräusche gesammelt hat. Vom letzten Warnzeichen der Kreuzotter vorm Biss über die Glocken der Herden, Balzlaute des Auerhahns bis zu den Geräuschen der Milchverarbeitung sowie zwei Blöcke mit »intensiver Bauernunterhaltung« rahmen die Texte und geben ihnen eine zusätzliche Dimension. Den Abschluss bildet ein »Auerhahn-Bonustrack«.

Ö1 GESPRÄCH

ALLE BÜCHER

Larifari: Ein konfuses Buch, Wien: Bergland 1956. (= Neue Dichtung aus Österreich, Band 18)

Tod durch Musen. Poetische Texte. (Mit einem Nachwort von Eugen Gomringer) Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1966 TB Luchterhand 1973, ISBN 3-472-61126-X.

Minimonsters Traumlexikon: Texte in Prosa (Mit einem Nachwort von Max Bense), Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1968.

Fantom Fan, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1971, ISBN 3-498-04231-9.

Fünf Mann Menschen. Hörspiele. Mit Ernst Jandl. Neuwied und Berlin: Luchterhand Typoskript 1971.

Sinclair Sofokles der Baby-Saurier. Mit farbigen Illustrationen von Angelika Kaufmann, Wien und München: Jugend-und-Volk-Verlagsgesellschaft 1971, ISBN 3-8113-1240-5 NA Residenz 2004, ISBN 3-85326-287-2.

Arie auf tönernen Füszen. Metaphysisches Theater. Neuwied und Darmstadt: Luchterhand 1972. (= Sammlung Luchterhand 82)

Blaue Erleuchtungen. Erste Gedichte, Düsseldorf: Eremiten-Presse 1973, ISBN 3-87365-041-X NA Eremiten 1995, ISBN 3-87365-296-X.

je ein umwölkter gipfel. Erzählung. Darmstadt und Neuwied: Luchterhand 1973, ISBN 3-472-86327-7.

meine träume, ein flügelkleid, Düsseldorf: Eremiten-Presse 1974, ISBN 3-87365-077-0.

In langsamen Blitzen, Berlin: Literarisches Colloquium 1974, ISBN 3-920392-43-4 (= LCB-Edition 36)

Augen wie Schaljapin bevor er starb, mit Illustrationen von Peter Pongratz, Dornbirn: Vorarlberger Verlagsanstalt 1974.

Das Licht in der Landschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-518-03626-2.

schriftungen oder gerüchte aus dem jenseits. Texte und Zeichnungen, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1975, ISBN 3-921365-01-5.

Fast ein Frühling des Markus M. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-518-03629-7.

Heisse Hunde. Mit Graphiken von Ernst Jandl, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1977, ISBN 3-921365-10-4.

rot ist unten, Wien und München: Jugend und Volk 1977, ISBN 3-8113-6600-9.

Heiligenanstalt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-03619-X.

Schwarmgesang: Szenen für die poetische Bühne, Berlin: Rainer 1978, ISBN 3-88114-022-0.

jardin pour friedericke mayröcker, Neue Texte 20/21: Linz 1978.

Ausgewählte Gedichte: 1944 - 1978. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-518-03618-1.

Ein Lesebuch. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Gisela Lindemann. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-518-37048-0 (= Suhrkamp Taschenbuch 548)

Tochter der Bahn, Düsseldorf: Eremiten-Presse 1979, ISBN 3-87365-123-8.

Pegas, das Pferd, Basel: Schroedel 1980, ISBN 3-507-95109-6.

Die Abschiede. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-518-03617-3.

Schwarze Romanzen, Gedichtzyklus mit Offsetlithographien von Max Weiler, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1981, ISBN 3-921365-48-1.

Gute Nacht, guten Morgen. Gedichte 1978 - 1981. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-518-03521-5.

Ich, der Rabe und der Mond, Graz: Droschl 1982, ISBN 3-85420-020-X.

Das Anheben der Arme bei Feuersglut, Gedichte und Prosa, Auswahl und Nachwort von Heinz F. Schafroth, Stuttgart: Reclam 1984, ISBN 3-15-008236-6.

Magische Blätter I. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-518-11202-3 (= Edition Suhrkamp 1202)

Reise durch die Nacht. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-518-04700-0.

Rosengarten (mit einer Radierung von Maria Lassnig), Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1984, ISBN 3-921365-71-6.

Das Herzzerreissende der Dinge. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-03568-1.

Configurationen (mit Hubert Aratym), Sonderzahl, Wien 1985, ISBN 3-85449-008-9.

Winterglück: Gedichte 1981 - 1985. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-02574-0.

der Donner des Stillhaltens. Mit Bodo Hell. Verlag Droschl, Wien und Graz 1986, ISBN 3-85420-089-7

Blauer Streusand. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Barbara Alms, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-37932-1 (= Suhrkamp Taschenbuch 1432)

Magische Blätter II. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-11421-2 (= Edition Suhrkamp 1421)

Mein Herz, mein Zimmer, mein Name. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-40127-0.

Gesammelte Prosa 1949-1975. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-40189-0.

Zittergaul, Gedichte und 12 Zeichnungen, Ravensburg: Maier 1989, ISBN 3-473-51723-2.

Umbra, der Schatten: das ungewisse Garten-Werk; Texte zu Arbeiten von Linde Waber, Wien: Hora 1989, ISBN 3-213-00028-0.

Stilleben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-40327-3.

Magische Blätter III. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-11646-0 (= Edition Suhrkamp 1646)

Das besessene Alter: Gedichte 1986 - 1991. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-40473-3.

Blumenwerk: ländliches Journal, Deinzendorf. Bibliothek der Provinz, Weitra 1992, ISBN 3-900878-72-2.

Gang durchs Dorf: Fingerzeig. Bibliothek der Provinz, Weitra 1992, ISBN 3-900878-73-0.

Veritas: Lyrik und Prosa 1950 - 1992. Herausgegeben von Elke Erb, Leipzig: Reclam 1993, ISBN 3-379-01474-5.

Nimbus der Kappe (mit Olaf Nicolai), Rudolstadt: Burgart-Presse 1993, ISBN 3-910206-09-3.

Betblumen : (ein) mein Lieblingstod. Zusammen mit Tobias Raphael Pils, Bibliothek der Provinz, Weitra 1993, ISBN 3-85252-016-9.

Lection. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-40638-8.

Das Licht in der Landschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-22164-7.

Magische Blätter IV. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-518-11954-0 (= Edition Suhrkamp 1954)

Kabinett-Notizen nach James Joyce, mit Zeichnungen und einer Collage, Horn: Edition Thurnhof 1995, ISBN 3-900678-22-7.

Notizen auf einem Kamel: Gedichte 1991 - 1996. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-40799-6.

Das zu Sehende, das zu Hörende. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-40907-7.

brütt oder Die seufzenden Gärten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-40994-8, Taschenbuch 2014.

Benachbarte Metalle. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Thomas Kling, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-22304-6 (= Bibliothek Suhrkamp 1304)

Magische Blätter V. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-12138-3 (= Edition Suhrkamp 2138)

Gesammelte Prosa 1949-2001, hrsg. von Klaus Reichert. Fünf Bände im Schuber. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-41299-X.

Magische Blätter I-V. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-41301-5.

Requiem für Ernst Jandl. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-41216-7.

Mein Arbeitstirol - Gedichte 1996-2001. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-41393-7.

Die kommunizierenden Gefäße. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-12444-7 (= Edition Suhrkamp 2444)

Gesammelte Gedichte 1939-2003, Herausgegeben von Marcel Beyer, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-41631-6.

Und ich schüttelte einen Liebling. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-41709-6.

Liebesgedichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Ulla Berkéwicz, Frankfurt am Main: Insel 2006, ISBN 3-458-34914-6 (= Insel Taschenbuch 3214)

Magische Blätter VI. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-12488-8 (= Edition Suhrkamp 2488)

Paloma. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-41956-4.

Kassandra im Fenster. mit Bettina Galvagni und Mikael Vogel, bibliophile Ausgabe, Meran: Offizin S. 2008.

Scardanelli. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-42068-3.

dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif. Gedichte 2004-2009. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-42106-2.

ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42166-6.

vom Umhalsen der Sperlingswand, oder 1 Schumannwahnsinn. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42198-7.

ich sitze nur GRAUSAM da. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42283-0.

Von den Umarmungen. Insel, Berlin 2012, ISBN 978-3-458-19352-4 - Insel-Bücherei 1352

études. Suhrkamp Verlag, Berlin 2013. 193 S.[4]

Friederike Mayröcker. (= Poesiealbum. 310), Lyrikauswahl von Sonja Harter, Grafik Max Ernst. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2014, ISBN 978-3-943708-10-3.

Cahier, Lyrik. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-42446-9.

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